Trauer@ktiv ist ein kostenfreies, computergestütztes, interaktives und leicht verständliches Selbsthilfeprogramm für Menschen ab 60+, die vor mehr als sechs Monaten eine nahestehende Person verloren haben und an einer intensiven und langandauernden Trauerreaktion leiden. Das Programm trauer@ktiv wurde in Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten des Gesundheitssystems (Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie, psychologischen Psychotherapeuten und Psychologen) entwickelt und beruht auf kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlungsansätzen. Diese arbeiten verstärkt an den Symptomen, Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen, die im Rahmen von langanhaltender Trauer auftreten. Studien haben gezeigt, dass computergestützte kognitive Verhaltenstherapie (cCBT) in der Behandlung von Depressionen und Angststörungen wirksam ist und auch großes Potenzial für die Behandlung weiterer psychischer Beschwerden bietet. Trauer nach dem Verlust einer nahestehenden Person ist eine normale Bewältigungsreaktion. In vielen Fällen bedarf Trauer keiner professionellen Hilfe. Vergeht die Intensität der Trauer jedoch auch nach mehreren Monaten nicht und ist der Alltag kaum oder nur schwer zu bewältigen, kann es hilfreich sein, sich Unterstützung zu suchen. Für Menschen ab dem 60. Lebensjahr kann der Verlust einer nahestehenden Person nochmal mit besonderen Belastungen verknüpft sein (z.B. dem Erlernen von Aufgaben, die bisher vom Verstorbenen bewältigt wurden oder das Vorhandensein eigener chronischer Erkrankungen und körperlicher Beeinträchtigungen), welche die Anpassung an den Verlust erschweren können. Das Programm trauer@ktiv richtet sich an diesen Betroffenenkreis und möchte im Sinne eines Wegbegleiters die Trauerbewältigung von Menschen mit langanhaltender Trauer unterstützen.
Trauer@ktiv besteht aus acht aufeinander aufbauenden Kapiteln: 1) Abschied und Trauer, 2) Raum für Erinnerungen, 3) Denken und Fühlen, 4) Hilfreiche Gedanken aufbauen, 5) Hilfen im Alltag, 6) Trauer und Vermeidung, 7) Beziehung neu gestalten, 8) Abschied und Weiterleben sowie weiteren hilfreichen Informationen rund um das Thema Trauerbewältigung (Umgang mit Jahrestagen, Trauerrituale, Hinweise für Angehörige, Glaube und Spiritualität). Diese enthalten neben Informationen auch praktische Übungen und können nacheinander in selbst gewählter Geschwindigkeit und Intensität über einen selbst gewählten Zeitraum bearbeitet werden. Ergänzend werden Sie durch eine Reihe von Beispielpersonen durch das Programm begleitet, durch die Sie erfahren, wie die Beispielpersonen mit bestimmten Problemen im alltäglichen Leben umgehen. Es wird empfohlen, pro Woche ein Kapitel des Programms zu bearbeiten. Trauer@ktiv ist jedoch grundsätzlich flexibel nutzbar. Manche Menschen möchten das Programm schneller durcharbeiten, andere möchten sich dagegen mehr Zeit dafür nehmen. Sie können selbst entscheiden, wann und wie Sie die Kapitel von trauer@ktiv nutzen möchten. Sie haben die Möglichkeit, die Arbeit mit dem Programm zu jeder Zeit zu unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen.
In Kapitel 1 erhalten Sie wichtige Informationen zum Thema Trauer sowie Hilfsangebote für akute Krisensituationen. Sie lernen anhand der Lebensgeschichten von drei Beispielpersonen, wie unterschiedlich Menschen mit dem Verlust einer nahestehenden Person umgehen.
In Kapitel 2 liegt der Fokus auf Ihrer persönlichen Geschichte. Kurze Übungen sollen Sie dabei unterstützen, sich bewusst mit Ihrer Trauersituation zu beschäftigen.
In Kapitel 3 erfahren Sie etwas über das Zusammenspiel von Denken, Fühlen und Handeln. Zudem lernen Sie Strategien kennen, wie Sie mit wiederkehrenden und belastenden Gedanken umgehen können.
In Kapitel 4 erhalten Sie Unterstützung beim Aufbau hilfreicher Gedanken und lernen, wie Sie mit Gefühlen wie Sehnsucht, Schuld oder Wut im Zusammenhang mit Ihrer Trauer umgehen können.
In Kapitel 5 liegt der Fokus darauf, wie Sie im Alltag sorgsam mit sich und Ihrer Gesundheit umgehen können. Ziel dieses Kapitels ist es, Ihre körperlichen, seelischen und sozialen Bedürfnisse zu erkennen und zu lernen, wie Sie langfristig zu einem besseren Wohlbefinden finden. Das Kapitel enthält verschiedene Übungen, die Sie nach eigenem Interesse auswählen können.
In Kapitel 6 erfahren Sie, wie Trauer und das Vermeiden von bestimmten Situationen, Gedanken und Gefühlen zusammenhängen und welche Auswirkungen Vermeidung auf den Trauerprozess hat.
In Kapitel 7 steht die Beziehung zur verstorbenen Person im Fokus. In verschiedenen Übungen erfahren Sie, welche Spuren die verstorbene Person in Ihrem Leben hinterlassen hat und wie dieser Mensch dadurch weiterhin ein wichtiger Bestandteil Ihres Lebens ist. Zudem wird ein Blick in die Zukunft gewagt – wie könnte der nächste Lebensabschnitt aussehen?
Das letzte Kapitel von trauer@ktiv fasst die Inhalte der vorangegangenen Kapitel und das, was Sie bereits lernen konnten, kurz zusammen. Ein weiteres Ziel dieses Kapitels ist es, das Weiterleben in den kommenden Wochen und Monaten in den Blick zu nehmen.
Besondere Jahrestage können als sehr belastend erlebt werden. Die Trauer tritt an solchen Tagen wieder besonders in den Vordergrund. Wie ein hilfreicher Umgang mit besonderen Jahrestagen aussehen könnte, erfahren Sie in diesem kurzen Zusatzkapitel.
Rituale können beim Trauern Struktur und Sicherheit geben und haben einen festen Platz bei der Trauerbewältigung. In diesem Zusatzkapitel erfahren Sie, wie Ihnen Trauerrituale helfen können und lernen Beispiele für Trauerrituale kennen.
Häufig wissen Angehörige nicht, wie sie reagieren sollen, haben Angst, etwas Falsches zu sagen oder den Trauernden noch mehr zu belasten. In diesem Kapitel werden Hinweise gegeben, wie der Trauernde auf eine angemessene Weise unterstützt werden kann.
Für manchen Menschen kann der Glaube in der Zeit des Trauerns eine innere Kraftquelle sein. Hier finden sie Informationen zum Thema Glaube und Spiritualität im Zusammenhang mit Trauer.
Das Programm trauer@ktiv ist für Sie geeignet, wenn Folgendes zutrifft:
Das Programm trauer@ktiv kann Sie bei der Bewältigung Ihrer Trauer und der Anpassung an veränderte Lebensumstände unterstützen. Trauer@ktiv stellt jedoch keinen Therapieersatz durch eine/n Arzt/Ärztin oder eine/n Psychotherapeut/in dar.